Eltern müssen Gefühle der Kinder ernst nehmen

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Kinder haben Gefühle – und zwar eine ganze Menge. Egal ob Angst, Wut oder Trauer, Eltern sollen sie auf keinen Fall ignorieren oder verharmlosen. Gefühle gehören zum Entwicklungsprozess eines Kindes dazu. Gerade die ersten Lebensjahre legen den Grundstein für die emotionale Welt eines Menschen. Nur wenn ein Kind eine sichere Bindung aufbauen kann, fühlt es sich auch beschützt und geschätzt. Was für die Eltern eine Kleinigkeit ist und oft mit einem Lächeln oder Unverständnis abgetan wird, bedeutet für ein Kind so etwas wie ein Weltuntergang.

Das ist doch nicht so schlimm

Wenn der erste eigenständige Versuch scheitert, sich den Schuh selber anzuziehen, fließen schon einmal die Tränen. Es hilft jetzt nichts zu sagen, dass das doch nicht so schlimm sei. Für ein Kind gibt es gerade in diesem Augenblick nichts Schlimmeres auf der Welt, denn sonst würde es ja nicht weinen.

Der Umgang mit Gefühlen will gelernt sein

Erwachsene haben im Laufe ihres Lebens gelernt, mit ihren Gefühlen umzugehen und sie zu steuern. Ärgern sie sich oder erfahren einen Rückschlag, dann suchen sie am Abend Trost beim Partner oder rufen eine Freundin an. Kleine Kinder haben diese Möglichkeit noch nicht. Sie leben im Hier und Jetzt. Sie haben eine Vorstellung, und die muss umgesetzt werden: und zwar sofort. Ein Später gibt es nicht. Enttäuschung und Wut können für das Kind überwältigend sein. Erst ab dem Ende des vierten Lebensjahres sind Kinder überhaupt in der Lage, Verlockungen und Reizen zu widerstehen. Kleinkinder entscheiden sich nicht bewusst für Wut oder Tränen. Sie können einfach nicht anders, als mit Hilflosigkeit und Verzweiflung zu reagieren. Wem das bewusst ist, der tut sich leichter, sein Kind in dieser Situation zu verstehen und selbst ruhig zu bleiben.

Rückschläge sind normal

In der Regel haben Mütter und Väter das Bedürfnis, ihr Kind zu trösten, wenn es weint, weil es sich wehgetan hat oder traurig ist. Es dauert einfach eine Weile, bis wir bestimmte Dinge gelernt haben. Um beispielsweise richtig laufen zu lernen, ist es ein langer Weg. Zuerst krabbeln Kinder eine Weile, bis sie sich schließlich aufsetzen und in der nächsten Ebene weiterprobieren. Dass es dabei immer wieder zu kleinen Rückschlägen kommt, ist normal. Die Kleinen fallen und stoßen sich dabei häufig, aber sie lernen auch, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Mit einem sicheren Umfeld werden sie unermüdlich weiterüben, bis es schließlich richtig klappt.

Selbstvertrauen aufbauen

Kinder müssen lernen, die Widrigkeiten, die das Leben ihnen in den Weg stellt, zu meistern. Um aber eine gewisse Widerstandsfähigkeit für solche Situationen zu entwickeln, brauchen sie ein wenig Zuversicht. Kinder benötigen eine emotionale Grundlage, um positiv denken zu können. Voraussetzung hierfür ist die Sicherheit im sozialen Umfeld und das Vertrauen in sich selbst, das sich allerdings erst langsam aufbaut. Während das bei manchen Kindern schnell und einfach geht, kann das bei anderen Kindern auch schon einmal etwas länger dauern.

Bist du ein Mann oder ein Weichei?

Auch Jungen haben ein Recht zu weinen. Der Spruch, dass Indianer keinen Schmerz kennen, ist hier völlig unangebracht. Vor allem Männer haben aufgrund ihrer eigenen Erziehung ein Problem damit, ihren Söhnen oder Enkeln Tränen zuzugestehen. Aber: Mit ihrer Reaktion auf die Gefühle ihrer Kinder legen Eltern den Grundstein für deren emotionale Welt. Das Gegenteil, nämlich das Kind tagelang zu bemitleiden und zu trösten, bringt ihm allerdings genauso wenig. Gefühle sollten weder unterdrückt noch völlig übertrieben behandelt werden – dies stürzt das Kind nur in Verwirrung und führt im Extremfall dazu, dass es seinen eigenen Gefühlen nicht mehr vertraut und dadurch unsicher wird.

Die richtige Mischung

Kinder möchten nicht bemitleidet, sie möchten ernst genommen und verstanden werden. Ob jemand für sie da ist, testen sie durchaus auch schon einmal aus. So beobachten kleine Kinder ganz genau, ob es jemand gesehen hat und wie derjenige reagiert, wenn sie hinfallen. Dementsprechend wird geweint – oder eben auch nicht. Dieses Verhalten hilft den Kindern beim Bewerten dieser Situation. Bei älteren Kindern ist dies oft ein Anzeichen dafür, zu testen, ob sich jemand um sie kümmert. Kommt dieses Verhalten häufig vor, sollte das den Eltern zu denken geben. Vielleicht benötigen diese Kinder an anderer Stelle ein wenig mehr Zeit oder Interesse von den Eltern.

Eltern als Vorbild

Vor allen anderen Dingen ist die eigene Einstellung der Eltern ausschlaggebend. Sie müssen wirklich daran glauben, dass ihre Kinder (altersgerechte) Aufgaben lösen können. Kinder spüren das und orientieren sich an dieser inneren Haltung. „Komm, wir schaffen das“ baut Selbstvertrauen auf, während Sätze wie „Das kannst du ja doch nicht“ das Gegenteil bewirken. Und wenn es mal nicht gleich klappen sollte, dann ist es das Wichtigste für das Kind, dass es jemand tröstet. „Da hast du dir aber echt wehgetan“ oder „Mensch, da hast du dich aber erschreckt“ zeigen dem Kind wie auch beim Pusten auf eine Wunde, dass sein Schmerz und seine Angst ernst genommen werden. So lernt das Kind, seine Gefühle kennenzulernen und einzuordnen. Besser als Schokolade ist Präsenz. Damit zeigen Eltern ihrem Kind: Ich bin für dich da und ich halte das auch gut aus.

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