Stillen – Wie macht man es richtig und welche Alternativen gibt es?

Bild: © JenkoAtaman - Fotolia.com

Stillen ist eine sehr komplexe Interaktion zwischen Mutter und Kind und sehr empfindlich gegenüber störenden Faktoren. Allein die Krankenhausroutine kann sich überaus schädlich auf eine gut funktionierende Stillbeziehung auswirken. Darüber hinaus fehlt es in der westlichen Welt den Müttern häufig an Unterstützung und positiven Vorbildern. Probleme beim Stillen sind keine Seltenheit und können die unterschiedlichsten Ursachen haben.

Medikamente bei der Geburt

Narkotisierende Medikamente und Schmerzmittel beeinträchtigen nicht nur die Mutter, sondern auch das Baby. Schläfrige Babys saugen nicht so effektiv wie muntere Babys, daher wird die Milchbildung nur in geringem Maße angeregt. Wurden Medikamente während der Geburt eingesetzt, ist ein gutes Stillmanagement wichtig.

  • richtiges und häufiges Anlegen (rund um die Uhr)
  • gegebenenfalls sanftes Wecken des Babys
  • praktische und emotionale Unterstützung der Mutter

Trennung von Mutter und Kind

Noch bis vor Kurzem ist es üblich gewesen, das neugeborene Kind von der Mutter zu trennen. Auch heute sind ein 24-Stunden-Rooming-in und das Stillen nach Bedarf in vielen Krankenhäusern noch immer keine Selbstverständlichkeit. Um eine gute Stillbeziehung zu unterstützen, ist das Zusammensein von Mutter und Kind rund um die Uhr notwendig. Das Baby sollte schon bei den ersten Anzeichen von Hunger angelegt werden. Zu den frühen Anzeichen gehören unter anderem Saugbewegungen, das Hin- und Herdrehen des Kopfes sowie Unruhe. Wenn das Baby bereits schreit, ist dies ein sehr später Hinweis auf seinen Hunger.

Kaiserschnitt

Eine Entbindung über Kaiserschnitt bringt eine ganze Reihe von körperlichen Prozessen durcheinander. Ein wichtiger Faktor, der hierbei gestört wird, ist der Milchspendereflex der Mutter. Auch das Baby hat in der Anfangszeit häufig Anpassungsschwierigkeiten und ist schläfrig, weshalb es nicht effektiv saugt. Oft wird das Kind nach einem Kaiserschnitt erst Stunden später das erste Mal angelegt. Die Anfangsschwierigkeiten sind jedoch durch möglichst frühes und häufiges Anlegen (unter Assistenz) und etwas Geduld in den meisten Fällen in wenigen Tagen zu meistern. Eine Zufütterung sollte – wenn irgend möglich – nicht erfolgen.

© Svetlana Fedoseeva - Fotolia.com

© Svetlana Fedoseeva – Fotolia.com

Falsches Anlegen

Für Mütter, die noch keine Erfahrungen mit dem Stillen haben, ist das Anlegen alles andere als trivial. Das Baby muss nicht an der Brustwarze saugen, sondern den ganzen Warzenhof in den Mund nehmen. Es ist daher ganz wichtig, dass bei den ersten Anlegeversuchen jemand Hilfestellung leistet. Leider bekommen die frischgebackenen Mütter nicht immer die Unterstützung, die sie brauchen. Bei falschem Anlegen kann nicht nur der Milchfluss gehemmt sein, oft wird auch die Brustwarze wund, sodass jedes weitere Stillen sehr schmerzhaft wird.

Zufüttern mit der Flasche

Ein wahrer Teufelskreis entsteht, wenn Mütter (wegen vermeintlich ungenügender Milchproduktion) Milch aus dem Fläschchen zufüttern. Erkennt die Brust nur einen sehr geringen Bedarf, so wird die Produktion der Milch nicht ausreichend angeregt oder sogar eingestellt. Manchmal dauert es einfach ein wenig länger, bis die Milch einschießt. Um die Milchbildung anzuregen, sollte das Baby möglichst oft an der Brust trinken. Ein Zufüttern sollte nur dann stattfinden, wenn es medizinisch unbedingt notwendig ist und auch nur vorübergehend.

Schnuller

Inzwischen ist der Effekt des Schnullers auf den Stillerfolg durch Studien bewiesen: Eine frühe Schnullerbenutzung hat eine nachteilige Wirkung auf das Stillen. Das Baby befriedigt einen Teil seines Saugbedürfnisses über den Schnuller und saugt daher weniger an der Brust. Zudem kann die Gewöhnung an das Saugen am Schnuller (in den ersten Tagen) das Lernen des richtigen Saugens an der Brust stören, da Brust und Schnuller unterschiedlich geformt sind.

Was tun bei Problemen?

Über die Hälfte aller Mütter haben schon einmal Probleme beim Stillen gehabt. In diesen Situationen ist es wichtig, sich gegebenenfalls professionelle Hilfe bei der Hebamme zu holen und sich nicht verunsichern zu lassen. Wer sich selbst großem Druck aussetzt, unbedingt stillen zu müssen, wirkt dem reibungslosen Ablauf beim Stillen zusätzlich entgegen. Natürlich ist es das Beste für das Baby, wenn Sie stillen. Wenn aber trotz guter Unterstützung nichts gehen sollte, machen Sie einen Schnitt und füttern Sie Ihr Kind mit der Flasche. Ein dauerhafter Stillstress tut weder Mutter noch Kind gut.

© yanlev - Fotolia.com

© yanlev – Fotolia.com

Wenn das Stillen trotz aller Bemühungen nicht klappt

Möglicherweise haben Sie abgepumpt, besondere Stilltechniken oder auch Hilfsmittel zum Stillen verwendet. Und nichts davon hat wirklich funktioniert. Halten Sie sich vor Augen, dass Ihre Bemühungen viel mehr Anstrengungen erforderten als eine von Anfang an eingespielte Stillbeziehung. Bedenken Sie immer, dass Stillen vor allem ein Ziel hat: Eine liebevolle Beziehung zwischen Mutter und Kind zu ermöglichen. Erzwungenes Stillen würde nur das Gegenteil hervorrufen.

Welche Alternativen gibt es zu Muttermilch?

Einen Ersatz für die Muttermilch zu finden, ist gar nicht so einfach. Sollte das Stillen – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich oder auch nicht gewünscht sein, ist als Ersatz ausschließlich industriell hergestellte Säuglingsmilch zu empfehlen. In den ersten vier Lebensmonaten des Kindes ist die Anfangsnahrung (Säuglingsanfangsnahrung) mit der Bezeichnung „PRE“ am besten geeignet. Sie ist in der Zusammensetzung weitestgehend der Muttermilch nachempfunden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert